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Ferrari auf der Edition 2019 des 24-Stunden-Rennens von Le Mans

Ferrari auf der Edition 2019 des 24-Stunden-Rennens von Le Mans

Siebzig Jahre nach Ferraris berühmtem Sieg beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans stellen wir die Teams vor, die 2019 teilnehmen werden
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Richard Aucock

Seit 1923 ist das 24-Stunden-Rennen von Le Mans eine der größten Herausforderungen für Rennwagen und ihre Fahrer. Schnell, gefürchtet und oft grausam, wurde dieses Rennen zu einer Klassiker-Veranstaltung im jährlichen Motorsport-Kalender, das Millionen Fans jedes Jahr mit geradezu religiösem Eifer verfolgen.

Es ist mittlerweile 70 Jahre her, seit Ferrari 1949 seinen ersten Sieg in Le Mans errang - ein Sieg, der in die Geschichte einging als eine der großartigsten Leistungen in puncto Fahrerausdauer. Der Star-Pilot war Luigi Chinetti, ein Italo-Amerikaner, der in Le Mans bereits 1932 und 1934 gewonnen hatte. Er war der Hauptfahrer eines Ferrari 166, den Lord Selsdon of Scotland (besser bekannt als Peter Mitchell-Thomson) gekauft hatte und als Co-Pilot fuhr… und an dessen Steuer dann fast die ganzen 24 Stunden hindurch Chinetti saß. Selsdons Beitrag beschränkte sich auf einen kurzen 20-Minuten-Sprint, um sicherzugehen, dass er offiziell als Co-Pilot des Wagens anerkannt wurde.

Luigi Chinetti manövriert seinen Ferrari 166 MM durch Tertre Rouge <em>Foto: Getty Images</em>
Luigi Chinetti manövriert seinen Ferrari 166 MM durch Tertre Rouge Foto: Getty Images

Nur zwei Jahre nach seiner Gründung hatte Ferrari das berühmteste Langstreckenrennen der Welt gewonnen. Chinetti kaufte später den Sieger-Wagen und führte die Marke Ferrari in Nordamerika ein. Als enger Freund von Enzo Ferrari gründete er auch das berühmte North American Racing Team, auch NART genannt, und strich damit seinen Platz in der Ferrari-Legende noch deutlicher heraus. Und Ferrari? Nach Chinettis Durchbruch gewann die Scuderia das 24-Stunden-Rennen von Le Mans insgesamt neunmal - einschließlich sechs aufeinanderfolgender Siege von 1960 bis 1965.

An der Edition 2019 des 24-Stunden-Rennens von Le Mans nehmen 11 Ferrari 488 GTE-Rennwagen in der LMGTE Pro- und der LMGTE Am-Klasse teil. Spitzennominierung ist der AF Corse 488 GTE der amtierenden WEC-Weltmeister James Calado und Alessandro Pier Guidi mit dem brasilianischen Piloten Daniel Serra als Team-Mitglied. Das AF-Corse-Schwesterfahrzeug wird von Sam Bird, Davide Rigon und Miguel Molina gelenkt. Beide AF-Corse-Teilnehmer tragen ein Sonder-Logo auf dem Dach, um auf die 70 Jahre seit Ferraris erstem Sieg in Le Mans aufmerksam zu machen. Ein dritter 488 GTE aus dem Rennstall Risi Competizione wird von Pipo Derani, Jules Gounon und Oliver Jarvis gefahren.

Der siegreiche Ferrari überquert die Ziellinie im 24-Stunden-Rennen von Le Mans am 20. Juni 1965 <em>Foto: Getty Images</em>
Der siegreiche Ferrari überquert die Ziellinie im 24-Stunden-Rennen von Le Mans am 20. Juni 1965 Foto: Getty Images

Der italienische Favorit Giancarlo Fisichella teilt sich mit Francesco Castellacci und Thomas Flohr das Steuer des Spirit of Race 488 GTE in der LMGTE Am-Klasse. Das Team kämpft um den Titel und die durch dieses Rennen garantierten Punkte dürften für den Siegerkranz entscheidend sein. Die herausragende Car Guy Racing-Maschine von Kei Cozzolino, Takeshi Kimura und Come Ledogar stößt von einer dominanten Saison in der Asian Le Mans Series hinzu: Mit vier Siegen in vier Rennen gewann das neue Team den ALMS-Titel und mit ihm seine sichere Teilnahme am 24-Stunden-Rennen von Le Mans.

Zwei Teams aus der European Le Mans Series nehmen am Rennen 2019 teil. Der Wagen von Kessel Racing wird von Claudio Schiavoni, Sergio Pianezzola und Andrea Piccini gefahren, JMW Motorsport nimmt mit Rodrigo Baptista, Wei Lu und Jeff Segal (mit einem Spezialdesign für Le Mans) teil. Der WeatherTech Racing-Wagen von Cooper MacNeil, Robert Smith und Toni Vilander kommt von der WeatherTech Sports Car Championship in Nordamerika hinzu. Zwei weitere Teams haben bereits eine ganze Saison in der FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft hinter sich: das Clearwater Racing-Team von Luis Perez Companc, Matteo Cressoni und Matt Griffin, und die Besetzung von MR Racing mit Olivier Beretta, Eddie Cheever III und Motoaki Ishikawa.

Dem zweiten Kessel Racing #83-Wagen dürfte die Unterstützung des Publikums sicher sein: Er wird mit Rahel Frey, Michelle Gatting und Manuela Gostner von einem reinen Frauen-Team gesteuert. Das von Deborah Meyer unterstützte Trio schrieb in der European Le Mans Series als erste ausschließlich weibliche Aufstellung Geschichte. Sie sind das erste reine Frauen-Team in Le Mans seit 1951, als Betty Haig und Yvonne Simon in einer Ferrari 166 MM Berlinetta den 15. Platz belegten! Die Kessel Racing-Fahrerinnen waren 2019 bereits auf der Piste erfolgreich: Bei der ELMS-Eröffnungsrunde in Le Castellet errangen sie zum ersten Mal das Siegertreppchen für eine reine Frauenmannschaft und das erste in einem Langstreckenrennen seit 1975.

So werden 70 Jahre, nachdem Luigi Chinetti zur Ferrari-Legende wurde, Frey, Gatting und Gostner losziehen und mit ihrem markanten 488 GTE in Blau und Rosa ihren eigenen Platz in der reich bestückten Geschichte der Marke erobern. Wie alle anderen Ferraris, die 2019 teilnehmen, können sie sicher sein, dass das Publikum in jeder einzelnen Minute des weltberühmten 24-Stunden-Klassikers hinter ihnen stehen wird. 

 

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