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Rennen
10/10/2018

Als Ferrari in Blau-Weiß Rennen fuhr

1964 wurde das Ferrari-Rot bei zwei Rennen durch Blau-Weiß ersetzt

In den frühen Tagen der Grand-Prix-Rennen fuhren die Rennteams mit Autos, die in ihren Landesfarben lackiert waren. Rot ist die traditionelle Rennfarbe von Italien und Synonym für ein Team: Ferrari. Obwohl einige private Ferrari-Teams auch in den Landesfarben antraten, war Rosso corsa, also Rennrot, die offizielle Farbe des allerersten Grand Prix-Autos von Ferrari, des 125 F1, und wurde von der Scuderia seither für alle Formel Eins-Wagen verwendet. Nun, zumindest für fast alle…

 

In den frühen 1960ern begann sich Ferraris Rennimperium zu vergrößern. Ein bemerkenswerter Erfolg war der 1962 250 GTO, ein Auto, das zahlreiche Sportwagensiege einfuhr. Bekanntermaßen ranken sich um das Auto jedoch ein paar Legenden. So war eine gewisse Anzahl an Straßenwagen gebaut worden, um die Rennkriterien zu erfüllen. Und als die Funktionäre der FIA nach Maranello kamen, um die Autos zu zählen, waren es angeblich nicht genug – ein Problem, das auf kreative Weise verschleiert wurde. Während einer Kaffeepause wurden im Werk einfach ein paar Autos verschoben, um sie ein zweites Mal zählen zu lassen.

Der 1999 Ferrari F399 lief mit offiziellen F1-Logos in Spa Francorchamps 

Ob Legende oder Wahrheit: Fakt ist, dass die Beschwerden an die FIA von gegnerischen Teams nicht verstummten. 1964 stand Ferrari dann mit einem weiteren Rennwagen, dem 250 LM, in den Startlöchern – und zum Erstaunen der weltweiten Renncommunity weigerte sich die FIA, ihn zu homologieren. Enzo Ferrari war erbost und sein Zorn stieg weiter, als der ACI, der italienische Automobilclub, dem Team nicht zu Hilfe kam. Enzo fackelte nicht lange. Er gab dem ACI seine Rennlizenz zurück und schwor, niemals wieder in Rennrot anzutreten. Zu diesem Zeitpunkt waren nur mehr zwei Etappen der Formel 1-Saison 1964 ausständig, und beim nächsten Rennen machte Ferrari seine Drohung wahr. Das Rennen fand in Watkins Glen, Nordamerika, statt, und das Team trat nicht unter dem Namen Ferrari, sondern als North American Racing Team (NART) an.

 

Das Design der 158 V8-Rennwagen war brandneu, ein blauer Untergrund mit einem breiten weißen Streifen im oberen Bereich. Die Fahrer, der Brite John Surtees und der Italiener Lorenzo Bandini, kamen als NART-Teammitglieder mit einem neuen Teamchef auf die Strecke – Luigi Chinetti, Ferraris US-Importeur, der mit Ferrari-Sportwagen bereits einige Rennerfolge in Nordamerika erzielt hatte. Surtees erreichte auf "The Glen" den zweiten Platz. Die Weichen für einen Showdown beim letzten Saisonrennen in Mexiko waren gestellt – und da der Streit noch immer nicht beigelegt war, trat Ferrari erneut als NART in Blau-Weiß an. 

Ferrari zollte den Opfern der Anschläge vom 11. September 2001 Tribut 

Das Rennen war wirklich aufregend. Surtees kämpfte hart und eroberte den zweiten Platz – womit er genug Punkte sammelte, um die Formel Eins-Weltmeisterschaft zu gewinnen. Das Ergebnis ging in die Geschichtsbücher ein. Surtees war bereits Weltmeister auf zwei Rädern, dank beträchtlichem Erfolg bei Motorrad-Rennen. Er schaffte es somit als Einziger, die Weltmeisterschaft auf zwei und auf vier Rädern zu gewinnen. Was oft übersehen wird, ist, dass Surtees auch der einzige Ferrari Formel 1-Fahrer war, der in einem nicht rot lackierten Auto der Scuderia Weltmeister wurde.

 

Natürlich wurde der Streit letztendlich doch beigelegt und 1965 fuhren die Ferraris wieder in Rot, was sich bis heute weitgehend fortgesetzt hat. In den letzten Jahren hat Ferrari jedoch gelegentlich auch Formel 1-Autos in anderen Designs auf die Strecke geschickt. 1999 trug der F399 von Eddie Irvine und Mika Salo (der Ersatz für Michael Schumacher, der sich beim Rennen in Silverstone das Bein gebrochen hatte) ein Design mit dem offiziellen F1-Logo anstelle des Sponsors Marlboro. Beim Rennen in Monza 2001 hatten die roten Autos eine schwarze Nase, um den Opfern des Terroranschlags vom 11. September in New York zu gedenken. Ferrari vereinbarte mit den Teamsponsoren auch, die Autos ohne Logos – mit gänzlich roter Karosserie – loszuschicken.

Diese spezielle Lackierung war der 800. Grand Prix von Ferrari 

2005 fuhren die Ferrari F2005 beim Großen Preis von Bahrain als Zeichen der Trauer um Papst Johannes Paul II. mit schwarzer Nase. In glücklicheren Zeiten verpasste Ferrari den Wagen beim Großen Preis der Türkei 2010 ein Spezialdesign, um den 800. Grand Prix der Scuderia zu feiern. Die historische Veranstaltung war eine denkwürdige Art und Weise, das älteste bestehende Rennteam in der Formel Eins zu feiern.

 

In jüngerer Zeit feierte die Scuderia Ferrari den 70. Geburtstag des Unternehmens beim Großen Preis von Monza 2017 mit den speziellen "Livrea 70"-Logos für die Motorhaube. Das jüngste Spezialdesign wurde beim Großen Preis von Japan 2018 gezeigt, als der langjährige Sponsor Philip Morris International ein neues "Mission Winnow"-Markenstatement enthüllte.