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Der Große Preis der Logistik

Hinter den Kulissen der Formel 1 ist kein Platz für Fehler
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Roberto Chinchero

Die intensivste Zeit der Formel 1-Saison 2018 war kurz vor der Sommerpause mit fünf Großen Preisen in nur sechs Wochen, darunter erstmals drei Rennwochenenden hintereinander. Bei allen europäischen Destinationen wird das Material mit 18 Lastwagen aus Maranello herangekarrt: acht für die Hospitality-Einrichtungen; drei für den Telemetrie-Bereich; vier für die Arbeitsbereiche; drei für Boxengasse, Catering-Bereich und Paddock-Club. Plus die Rennautos. Alles in allem sind das fünfzig Tonnen Material, sowie weitere achtzig Tonnen für das Motorhome. Eine enorme Logistikleistung, an der 125 Leute beteiligt sind.

 

Herzstück dabei ist Sergio Bondi, Ferrari Logistik-Manager. „Ganz schön viel“, sagt er mit maßloser Untertreibung. „Der Zeitplan ist denkbar knapp und es gibt buchstäblich keinen Spielraum für Fehler.“ Für gewöhnlich muss die erste Materialtranche schon am Sonntag vor dem Rennwochende "vor Ort" sein. „Am nächsten Tag kommt unsere sogenannte "Squadretta" - unser kleines Team - auf die Rennstrecke. So kann am Montag mit dem Aufbau aller nötigen Einrichtungen wie Boxen, Küche und Motorhome begonnen werden“, so Bondi. 

Der Rennwagen Undercover in Maranello Foto: Alessandro Penso, Rudy Carezzevoli

Der Rest des Support-Teams verlässt Maranello am Mittwoch und nimmt einen Charterflug, um am Donnerstag morgens einsatzbereit zu sein. Bei aufeinanderfolgenden Rennwochenenden bedeutet das, dass wir den Prozess starten, sobald auf der Rennstrecke die Zielflagge geschwenkt wurde. Allein, um das Motorhome zu zerlegen, brauchen wir fünfzehn Stunden und zwei ganze Tage für den Wiederaufbau. Im Laufe der Jahre sind immer mehr Rennen auf anderen Kontinenten, außerhalb von Europa, dazugekommen. Also hat Ferrari eine interkontinentale "Transportmatrix" für maximale Effizienz entwickelt.

 

„Das günstigere Material kaufen wir in mehrfacher Ausführung, sodass fünf identische Kits nach einem bestimmten Reiseplan verschifft werden“, erklärt Bondi. „Das ist billiger, als sie mit dem Flugzeug zu befördern. Dazu gehören "Stühle, Tische, Küchen, die Innenausstattung der Hospitality-Suite, die Werkstattverkleidung, der Motortransportwagen und die Absaugkabine (für die Absaugung von schmutziger Luft wenn die Mechaniker auf der Werkbank am Motor arbeiten).“ Zum Beispiel kehrte das Material, das letzten März nach Melbourne verschifft wurde, nach Maranello zurück und wurde anschließend nach Suzuka geschickt; Das im April nach Bahrain verschiffte Kit wurde im Oktober nach Russland geschickt; Das Material aus Montreal kommt später in Singapur zum Einsatz. Und so weiter. Es ist eine riesige Matrix, damit alles wie am Schnürchen klappt.

Szenen aus der "Matrix" in voller Aktion Foto: Alessandro Penso, Rudy Carezzevoli

Hochwertige Elemente werden hingegen mit dem Cargo-Flugzeug transportiert. Wenn zwei aufeinanderfolgende Rennwochenenden außerhalb Europas auf dem Programm stehen, wird das Rennauto in der Box nach dem Ende des ersten Rennens zerlegt, in einem speziell entwickelten Container auf dem Luftweg befördert und steht am Dienstag auf der nächsten Rennstrecke bereit. „Die Kosten sind optimiert“, betont Bondi, „aus diesem Grund haben wir eigene Lieferanten für unseren Catering-Service für jede WM-Etappe.“ Das bedeutet, dass die Qualität garantiert ist und die Transportkosten wegfallen. Manchmal hingegen läuft nicht alles nach Plan.

 

„Einmal“, so erinnert sich Bondi, „wäre eine Fracht, die wir von Genua aus verschifft hatten, nicht rechtzeitig  in Shanghai angekommen, da über eine Woche lang ein Sturm wütete.“ Also fingen sie das Schiff im Nahen Osten ab, machten die Materialien für den Lufttransport bereit und luden sie in Abu Dhabi in eine Boeing 777. „In diesen Fällen wird deutlich, wie wichtig es ist, einen Plan B parat zu haben: Wenn man keinen hat, kann es kritisch werden.“

 

 

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