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Der Ferrari 488 GTE des AF Corse-Teams beim Prolog von Barcelona im vergangenen Juli <em>Foto: Alessandro Cosmelli</em>

Bis ins kleinste Detail

Innenansichten eines engagierten Teams von Perfektionisten aus der Ferrari-Familie – das Competizioni GT Team
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Daniele Bresciani

Man nennt es den „Schmetterlingseffekt“. Der Science-Fiction-Autor Douglas Adams beschreibt ihn folgendermaßen: „Das Flattern der Flügel eines Schmetterlings in China kann den Weg eines Hurrikans über dem Atlantik beeinflussen.“ Selbst die kleinsten Abwandlungen des ursprünglichen Zustands können langfristig zu enormen Veränderungen führen. Das definiert in etwa das Konzept des Competizioni GT-Teams, bei dem sich alles um die Aufmerksamkeit auch für das kleinste Detail dreht. Etwa 20 Team-Mitglieder erfüllen unterschiedliche Rollen in einer sportlichen Aktivität, die für zwei Rennwagen - den 488 GTE und den 488 GT3 - den Weg in dreißig Meisterschaften rund um die Welt eröffnet. Zu den von Ferrari gewonnenen 24 Konstrukteurstiteln (1953-1993, 2012 bis heute) kommen zahlreiche weitere Siege bei internationalen Veranstaltungen wie der IMSA, den Le Mans-Rennen und den Blancpain-Meisterschaften hinzu.

Antonello Coletta, Leiter Ferrari GT-Aktivitäten <em>Foto: Alessandro Cosmelli</em>
Antonello Coletta, Leiter Ferrari GT-Aktivitäten Foto: Alessandro Cosmelli

Und es gibt nur einen einzigen Weg, um an der Spitze zu bleiben: niemals zufrieden zu sein. Es ist gerade mal Zeit, um auf die Siege anzustoßen - so wie in diesem Jahr das 24-Stunden-Rennen von Le Mans mit James Calado, Alessandro Pier Guidi und Daniel Serra, siebzig Jahre nach Luigi Chinettis und Lord Selsdons historischem ersten Sieg in Le Mans. Und dann geht es wieder von vorn los. Antonello Coletta, Leiter von GT Sporting Activities, sagt: „Es ist für jeden von uns eine Ehre, zum Sieg ‚verdammt‘ zu sein und die Ferrari-Flagge hochzuhalten. Als ich ein Kind war, bat ich bei der Rückfahrt aus den Ferien meinen Vater immer, außerhalb dieser Rennstrecke anzuhalten, und presste meine Nase gegen die Tore, in der Hoffnung, Autos zu sehen, die ihre Runden drehten.“

In seinem sonnigen Büro mit Blick über die Rennstrecke von Fiorano stehen fünf Weltmeister-Trophäen, die in den letzten sieben Jahren errungen wurden. „Wir stehen als Team eng zusammen und unsere Leidenschaft ist eine unserer Stärken. Jeder Sieg ist ein Sieg für uns alle, von den Fahrern bis zu den Mechanikern und von den Technikern bis zu den Logistik-Managern.“ Der 488 GTE und der 488 GT3 besitzen dieselbe Architektur wie der Straßenwagen 488 GTB, was einen ständigen Kontakt zur industriellen Seite des Unternehmens voraussetzt. „Unsere Verbindungen mit der kaufmännischen Abteilung, von der wir abhängen, und der technischen Abteilung, allen voran mit Enrico Galliera und Michael Leiters, sind ausgesprochen eng“, stellt Coletta fest.

Competizioni GT selbst hat zwei Seiten, eine sportliche und eine kommerzielle, die von Alessandra Todeschini geleitet wird, während der technische Bereich Ferdinando Cannizzo untersteht. „Für uns ist es absolut wichtig, auch vom GT-Bereich des Unternehmens unterstützt zu werden“, fügt Coletta hinzu. Innovationen, die hier getestet werden, kommen dann auch bei neuen Modellen zum Einsatz, wie bei dem 488 Pista. „Ich glaube, dass es für unsere Kunden einen Mehrwert darstellt, wenn sie am Steuer eines Wagens sitzen, der in mancherlei Hinsicht den Autos ähnelt, die sie draußen auf der Rennstrecke gesehen haben“, schwärmt er. Die schwierige und komplexe Aufgabe beginnt beim „nackten Fahrgestell“, erklärt Ferdinando Cannizzo, Leiter von GT Racing Car Design and Development. „Das wird dann auf die Erfordernisse eines Rennwagens zugeschnitten, mit den einschlägigen Anpassungen an die Vorschriften. Es besteht ein ständiger Kontakt mit denen, die den 488 GTE in Rennen fahren und denen, die mit dem 488 GT3 an anderen Meisterschaften teilnehmen.“

Alessandra Todeschini ist seit 2012 Leiterin von Competizioni GT und für die geschäftlichen Beziehungen mit den Ferrari-Fahrern zuständig. „Kunden, die an den diversen Meisterschaften teilnehmen, sind weltweit unsere Botschafter“, sagt sie. „Es ist uns vollkommen bewusst, wieviel Leidenschaft jeder von ihnen in diese Aktivität investiert: Wir sehen es in ihren Augen, wenn sie nach Fiorano kommen und ihr neues Auto zum ersten Mal testen. Der Sieg eines jeden einzelnen von ihnen ist auch unser Sieg.“

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