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Bianchi Geschwindigkeitsmaschine

Beide haben - mit Autos bzw. im Radsport - Geschichte geschrieben. Nun haben Ferrari und Bianchi ihre Kräfte gebündelt, um das revolutionäre SF01 Rennrad zu produzieren.
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Kevin M. Buckley

Zwanzig Kilometer südlich von Bergamo in Norditalien befindet sich ein eingeschossiges Fabrikgebäude mit neun großen, himmelblauen Wellendachgiebeln. Die flache Ebene der Lombardei ist ein Eldorado für Radfahrer. Das ist überaus passend: Hier ist nämlich Bianchi - Italiens berühmtester Fahrradhersteller - angesiedelt.

 

Während Rot für Ferrari steht, ist Himmelblau die Farbe von Bianchi. Die Unternehmen haben vieles gemeinsam: Beide wurden von charismatischen Persönlichkeiten gegründet, die einen bleibenden Eindruck auf die Nachwelt hinterlassen haben, beide entwickeln sich durch den Wettbewerb in der jeweiligen Sportart, beide sehen Qualität in der Liebe zum Detail. Die beiden Marken haben nun ihre Kräfte gebündelt, um das SF01, ein revolutionäres neues Rennrad, zu produzieren. 

Cocktailparty im Ferrari Store Rom für das SF01-Bike

"Das macht absolut Sinn", so Claudio Masnata, Kommunikations- und Marketingchef von Bianchi. "2016 entstand die Idee, eine limitierte Auflage von Bianchi-Ferrari-Rennrädern – anfangs mit 12 Stück in "Modena-Gelb" – zu produzieren. Bianchis Rennsportkarriere begann 1899, als Gian Fernando Tomaselli beim Grand Prix von Paris seinen ersten Sieg feierte.

 

Endgültig Fuß fasste das Unternehmen dann in den ersten zehn Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, als Fausto Coppi – der erste Fahrer, der jemals Tour de France und Giro d'Italia in derselben Saison gewann – mit Bianchi fuhr. "Fausto Coppi tauchte ohne weiteres in der Fabrik auf, um mit den Technikern Anpassungen vorzunehmen, obwohl er dafür zweihundert Kilometer von seinem Zuhause in Ligurien zurücklegen musste", erklärt Masnata. Coppi war davon besessen, den Bianchi-Konstrukteuren ein Feedback zu geben.

Detail des hinteren Elf-Gang-Umwerfers Foto: Kokeshi Farm Photos

"Für uns ist "besessen" kein abwertender Begriff", betont Masnata. "Wir sind besessen. Von den Details. So machen wir Verbesserungen. Wir haben jedes Jahr im Profi-Radsport mitgemischt. Für uns ist das essentiell, sowohl für die Produktentwicklung als auch für das Marketing." Bekannterweise schrieben Felice Gimondi in den 1970er Jahren und Marco Pantani in den 1990er Jahren weitere Kapitel in der Firmengeschichte von Bianchi. Heute fungiert man als Ausstatter der LottoNL Jumbo Team.

 

In der Fabrikhalle wird jedes einzelne Fahrrad vom gleichen Techniker von Anfang bis Ende an einer "vertikalen Fertigungslinie" montiert. Das historische Adleremblem von Bianchi und der SF01-Schriftzug sind handgemalt. "Das Fahrrad zeichnet sich vor allem durch das "Countervail-System" aus", erklärt Masnata. 

Scuderia Ferrari individualisierte Nummerierung auf der vorderen Röhre des SF01 Foto: Kokeshi Farm Photos

Das Verfahren ist ein streng gehütetes Betriebsgeheimnis. Dabei werden mehrere Schichten kreuz und quer verlaufende Carbonfasern von einem "viskoelastischen Carbonmaterial" umhüllt. Das Ergebnis ist extreme Leichtigkeit, kombiniert mit extremer Robustheit. Es ist fast ein bisschen befremdlich, dass sich der Carbonfaser-Rahmen mit nur einem Finger anheben lässt.

 

Die "CV"-Behandlung beseitigt erstaunliche achtzig Prozent der Oberflächenvibrationen und stellt einen revolutionären Fortschritt in der Fahrradtechnologie dar. Bianchi besitzt die exklusive Lizenz für den Radsport.

Fünf Bianchi-Modelle der Oberklasse weisen eine CV-Behandlung auf. Fabio Ferri, Rahmendesigner, bringt die Philosophie von Bianchi auf den Punkt: "Wenn wir unsere Räder designen, haben wir eher Sportler als Radfahrer vor Augen." Es gibt Räder, und nun gibt es Bianchi-Ferrari-Räder.

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