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Acht Tage am Dach der Welt

Acht Tage am Dach der Welt

Ein GTC4Lusso T nimmt den Himalaya mit Stil in Angriff.
Text

Ben Oliver

Auf den ersten Blick scheint die Szene vertraut: Ein dünnes Band aus schwarzem Asphalt zieht sich einen Berghang hinauf, als ob es dort ganz zufällig dorthin gefallen wäre. Die Bergstraße ist kurvenreich und schlängelt sich durch eine der berühmtesten und furchterregendsten Gebirgsketten der Welt. Dies könnte genauso gut einer der großen Alpenpässe sein, das Stilfserjoch oder der Grosse St. Bernhard, wo die Legende rund um Ferraris straßengängige Gran Turismo-Modelle entstand. Aber diese Gipfel sind nicht die Alpen, und der Ferrari GTC4Lusso T ist sehr weit von seiner italienischen Heimat entfernt.

 

Sie liegen im Himalaya, in Tibet, und dieser Ferrari hat eine achttägige, 3.000 km lange Reise von Kunming, der Hauptstadt der Provinz Yunnan im Südwesten Chinas, nach Lhasa, der Hauptstadt der Region, unternommen. Es ist eine Straße, die das südliche Ende der berühmten Bergkette entlang führt und an Chinas Grenzen zu Myanmar, Indien, Bhutan und Nepal verläuft.

 

Enzo Ferrari mag vieles vorausgesehen haben, aber selbst er konnte sicher nicht vorhersehen, dass sich eines seiner Straßenautos eines Tages an einem der höchsten, abgelegensten und dramatischsten Orte der Welt austoben würde...Die Fahrt fand im Winter statt. In dieser Jahreszeit verwandeln die tiefen Temperaturen in der Nacht den starken Regen in Eis, das auf den schattigen Teilen der Straße bis in den Morgen anhält.

 

Und dann ist da natürlich die große Höhe. Von Kunming auf 1.892 m - bereits höher als einige Alpenpässe - stieg die Route stetig an und blieb lange Zeit über 4.000 m, bevor sie in Lhasa auf 3.600 m endete. Solche Höhen sind sowohl für das Auto als auch für den Fahrer hart. Pro 100 m Höhe über dem Meeresspiegel kann ein Saugmotor ein volles Prozent seiner Leistung verlieren, wenn die Luftdichte abnimmt. 

 

Der 1000-Zimmer-Potala-Palast in Lhasa, ein Weltkulturerbe, erhebt sich vom Hang

Die Eigenschaften des GTC4Lusso T machen ihn für diese Fahrt ideal.Der 3,9-Liter-V8-Turbomotor ist in China populär, und mit dem gleichen 91-Liter-Kraftstofftank wie das V12-Auto und einer höheren Kraftstoffeffizienz kann er eine größere Reichweite bieten. Praktisch, wenn es wenig Tankstellen gibt. Der Turbomotor beaufschlagt seine Ansaugluft selbst mit Druck, sodass die Höhe kaum einen Unterschied für seine großartige Leistung von 610 PS macht.

 

Der Fahrer, Lei Meng, Chefredakteur von 'Car Magazine China', erzählt, dass die Gespräche mit Polizisten, Tankwarten und Passanten, denen er begegnete - die meisten davon hatten noch nie zuvor einen Ferrari gesehen - ein Höhepunkt der Reise waren. Ihre ungläubigen Gesichter, als sich der kultigste aller Sportwagen unter ihre üblichen Busse und Taxis mischte, wurden nur von ihrer Sorge begleitet, dass er es vielleicht nicht bis nach Lhasa schaffen würde. Von Shangri-La an begannen die Leute zu sagen: „Sie werden es nicht schaffen“, erinnert sich Meng. "Die Mitarbeiter einer Tankstelle haben uns nachdrücklich darauf hingewiesen, dass Sportwagen immer an einer bestimmten Stelle hängenbleiben und stets von einem LKW abgeholt werden müssen. Wir haben nur höflich gelächelt und es doch geschafft."

 

Nach einer 3000 km langen Wanderung auf Bergstraßen nimmt der GTC4Lusso T eine wohlverdiente Pause ein

Als Meng die berühmten 72 Kurven am Nu River mit der klassischen Serpentinenstraße und dem Blick auf die Gipfel erreichte, hätte er sich zu Recht wie ein italienischer Industrieller der 1960er Jahre fühlen können, der in seinem nagelneuen Ferrari 250GT Lusso durch die Alpen fuhr. Aber bei Straßenfahrten geht nicht nur ums Autofahren: Das Team hat sich auch Zeit genommen, die Naturwunder unterwegs zu genießen.Eines Nachts hielten sie am Laigu-Gletscher, wo sie freie Sicht auf den - wolkenlosen - Himmel hatten.

 

Am letzten Tag der Fahrt nach Lhasa wurden sie mit ebenso freien Straßen belohnt, wo sich ihnen bei der Ankunft ein spektakulärer Anblick bot: Der Potala-Palast, ein 13-stöckiges Gebäude mit 1000 Zimmern am Berghang, geschmückt mit bunten buddhistischen Gebetsfahnen. Es war vielleicht nicht die typische Grand Tour, aber es war sicherlich eine, die diesen Namen verdient.

 

 

 

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