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11/12/2017

Im Museo Enzo Ferrari

Das Museo Enzo Ferrari ist eine würdige Hommage an seinen Namensgeber

Am Geburtsort von Enzo Ferrari steht ein Museum zu seinen Ehren mit einer Architektur, die die Kühnheit seines Namensgebers widerspiegelt.

Auf den ersten Blick mag es lächerlich plump, aber auch optisch unsensibel erscheinen, zwischen die Terrakotta-Dachziegel der Stadt eine riesige gelbe Kuppel einzufügen, die in ihren Formen und Rippen an die Motorhaube eines Rennwagens von Enzo erinnert.

 

Aber so einfach ist es nicht. Erstens ist dieses neue gelbe Gebäude für sich genommen außerordentlich schön. Zudem würde es kaum ein historisch wertvolles Stadtbild stören (es schmiegt sich an eine Eisenbahnlinie). Außerdem eignet es sich auch hervorragend als Ausstellungsraum für Autos.

 

Es ist ein Niedrigenergiehaus und sensibel für die Umwelt. Vor allem aber ist es sensibel für seine Lage: Es nimmt Rücksicht auf die restaurierten Nebengebäude, das Haus, in dem Enzo 1898 geboren wurde, und die angrenzenden Werkstätten des väterlichen Schlosserbetriebes.

 

Das Museo Enzo Ferrari wurde von Jan Kaplicky entworfen. Er war Gründungspartner des Architekturbüros Future Systems mit spärlichen, aber erstaunlich originellen Arbeiten. Kaplicky bekam das fertige Museum nie zu Gesicht, aber seine Vision wurde nach seinem frühen Tod im Jahre 2009 detailgetreu umgesetzt. Drei Jahre später war das Gebäude fertig.

Das markante Schrägdach des Museo Enzo Ferrari spiegelt die eleganten Linien eines Maranello-Modells wider 

Das Hauptdach besteht aus doppelt gebogenem Aluminium, was die Konstrukteure dazu veranlasste, Techniken aus dem Bootsbau zu übernehmen. Sein Gelb ist der Hintergrund des Ferrari-Emblems, das selbst wiederum die Farbe der Stadt Modena aufgreift.

 

Unterhalb der Lamellen-Oberlichter fächert eine weiße Membranbespannung das Licht. Dies und der makellose, weiße Boden des Hauptausstellungsraumes tauchen den Raum in einen Glanz, der die Silhouette der ausgestellten Fahrzeuge zur Geltung bringt. Sie springen den Besuchern förmlich visuell entgegen, ohne den Blick irgendwie abzulenken.

 

Ein Ende des Bauwerks ist verglast und geschwungen und umschließt die historischen Backsteingebäude. Die alte Werkstatt wurde von Kaplickys Mitarbeiter Andrea Morgante innen umgestaltet und beherbergt ein Ferrari-Motormuseum und eine Ausstellung mit Highlights aus dem Leben und Denken von Enzo.

 

Beim Betreten der Werkstätten sieht man fast als erstes eine große Inschrift an der Wand, ein Zitat von Enzo: „Ich bin derjenige, der davon geträumt hat, Ferrari zu sein.“ Das ist der eigentliche Kern des Ganzen. Er war nicht nur ein Mechaniker und Rennfahrer, der zufällig zu Größe gelangt ist. 

Das Museo, mit Enzo Ferraris Haus im Vordergrund Foto: Getty Images 

Gleich zu Beginn seines Unternehmens erschuf er einen Traum, einen Mythos, eine Marke – noch bevor das Wort oder Konzept existierte – und entwickelte sie hemmungslos weiter. Er blickte immer nach vorne und nie zurück. Was die Prominenz und Fortschrittlichkeit der Architektur so passend macht.

 

Das Hauptgeschoss des Museums befindet sich unter Bodenniveau und nutzt die passive thermische Stabilität der Erde, um den Energieaufwand für Heizung und Klimaanlage zu reduzieren. Die Glaswand hat Öffnungsklappen für die Sommerlüftung. Ein Großteil des verbleibenden Energiebedarfs des Museums wird durch Geothermie- und Photovoltaikanlagen abgedeckt.

 



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