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23/11/2017

Ferraris Automontagehalle

Das Gebäude in Maranello ist die perfekte Mischung aus Tradition und Moderne

Wenn Laien den Begriff "Autofabrik“ hören, haben sie immer ein Fließband vor Augen. Hier wird die anfangs „nackte“ Metallkarosserie schön langsam „angezogen“. Hinein kommen Motor und Getriebe, Elektrik, Fahrwerk, Sitzbezüge und Glas – wenn auch nicht unbedingt in dieser Reihenfolge. Heraus rollt das fertige Auto, bereit für seinen Kunden.

 

Es ist ein groß angelegter Prozess mit einer unheimlichen logistischen Komplexität. Daher war die Planung und Installation einer neuen Fahrzeugmontagehalle in Maranello eine der ehrgeizigsten Phasen des Fabrikumbaus von Ferrari.

 

Wie bei anderen Teilen des Projekts entschied sich Ferrari für einen Superstar-Architekten, in diesem Fall Jean Nouvel. Zu seinen bemerkenswerten Projekten zählen das Institut du Monde Arabe und das Musée du Quai Branly in Paris, das Konzerthaus in Kopenhagen und das Guthrie Theater in Minneapolis. 

 

Autofabrik ist keine darunter. Aber Nouvels Design ist ideal für Ferrari. Der riesige Raum nutzt Fenster und Spiegel, um das Licht zu steuern und Leichtigkeit zu erzeugen. Trotz der herausragenden Modernität des Themas des Gebäudes, seiner Glaskunst und seiner glänzenden geschichteten Stahlfassade fand Nouvel einen Dialog mit der Tradition von Ferrari.

 

Die neue Halle befindet sich in einer historisch bedeutsamen Position direkt hinter dem ursprünglichen Fabriktor und den Büro- und Werkstattgebäuden. Die Lösung bestand darin, das neue Gebäude durch eine rote Lochwand, einen Gehweg und einen langen, schmalen Garten vom historischen Gebäude abzugrenzen.   

Wie in der Branche üblich, bringen Hängebahnen die Autos zu den Arbeitern, die sie in einer Reihe von Stationen montieren. Innerhalb der Stationen ist der Automatisierungsgrad jedoch ungewöhnlich niedrig. 

 

Jedes Auto ist in einem Gestell montiert, das sich um eine Längsachse dreht und sich auch nach oben oder unten bewegt. Auf diese Weise wird das Auto in der bequemsten und ergonomischsten Position präsentiert, in der die Arbeiter nach innen greifen, darunter arbeiten und so die jeweilige Aufgabe perfekt ausführen können. Alles ist auf erstklassige Fahrzeugqualität, Produktivität und Wohlbefinden der Arbeiter ausgerichtet.

 

Die Montage erfolgt über zwei Etagen. Es gibt zwei getrennte zwei Produktionslinien. Eine für 12-Zylinder- und eine für 8-Zylinder-Baureihen.

 

Viele der Tausenden von Teilen, die an jedem Auto montiert werden, haben sehr kurze Entfernungen zur Anlage zurückgelegt. Ferrari ist überaus "vertikal integriert", was bedeutet, dass ein Großteil des Autos hier gefertigt wird – sogar die Motorgussteile werden vor Ort hergestellt.

 

Die Aluminiumkarosserien stammen vom Scaglietti-Werk in der Nähe von Modena, das ebenfalls im Besitz von Ferrari ist, und werden in einer anderen Anlage hier in der Fabrik in Maranello lackiert.

 

Die Montagehalle ist das Herz und die Seele einer Autofabrik. Am Ausgang des Gebäudes angekommen, ist jedes Auto mit Rädern und Reifen, allen Flüssigkeiten und einer Batterie ausgestattet. Es startet auf Knopfdruck. Auch seiner Seele wurde Leben eingehaucht.



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