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19/10/2017

Der Ferrari Windkanal in Maranello

Ein genauerer Blick auf Renzo Pianos markantes Design für Ferraris Formula Uomo-Projekt in Maranello

Er ragt wie ein 80 Meter langes Weichtier von seinem Grashügel herab.  Oder vielleicht wie eine gigantische Posaune. Oder, am treffendsten, wie ein überdimensionaler Turbolader. Das ist die Galleria del Vento, oder Windkanal, wo die Techniker an der Aerodynamik der Ferrari-Rennautos feilen. Es handelt sich um eine Luftpumpe, ebenso wie ein Turbolader eine Luftpumpe ist.

 

Der Windkanal war eines der ersten hochkarätigen Projekte in Ferraris Formula Uno-Projekt, mit dem die Fabrik mit zahlreichen neuen Gebäuden von Stararchitekten verjüngt wurde. Es war eine atemberaubende Absichtserklärung.

 

Ferrari wählte Renzo Piano für das Gebäude aus, das 1997 eröffnet wurde. Dessen bekanntestes Werk war damals das Centre Pompidou in Paris, eine Zusammenarbeit mit Richard Rogers. Außerdem gestaltete er auch einen großen Teil des (neu bebauten) Potsdamer Platzes im wiedervereinigten Berlin. 

Er hatte den riesigen, erdbebensicheren Terminal des Flughafens Kansai International Airport auf einer künstlichen Insel in der Bucht von Osaka (Japan) fertig gestellt. In jüngerer Zeit ist The Shard in London vielleicht sein markantestes Gebäude. Kein Wunder, dass Piano sich selbst sich sowohl Ingenieur als auch Architekt nennt.

 

Piano wollte die Funktionsweise im Inneren des Windkanals in seiner äußeren Optik veranschaulichen. Seinen Worten zufolge ist er „eher eine riesige Maschine als ein Gebäude, da alle Mechanismen und Apparate zu sehen sind, anstatt unsichtbar zu sein.“

 

Und doch hat er die faszinierende Schönheit des puren Industriedesigns. Besser ginge es gar nicht, wenn man den Zweck in der äußeren Gestaltung aller Ferraris bedenkt - egal ob Rennwagen oder GT.

 

Der am deutlichsten sichtbare Teil des Gebäudes ist das Luftzirkulationsrohr. Es saugt die Luft hinter dem Testwagen an und führt sie zurück zum Kompressor.

Der Windkanal wurde von Renzo Piano im Rahmen des Projekts Formula Uomo entworfen 

Das Gebläse hat eine Leistung von mehr als zwei Megawatt. Es drückt die Luft beinahe mit Formel Eins-Geschwindigkeiten hinter dem Auto vorbei. Im Laborteil des Gebäudes messen und analysieren die Ingenieure die Kräfte, die auf das Fahrzeug einwirken, in jeder Dimension.

 

Der Wagen selbst ist mit Sensoren übersät, um den Druck und die Geschwindigkeit der Luft zu messen, während sie über die Karosserie strömt und durch die aerodynamischen Elemente umgeleitet wird. 

 

Der Boden des Tunnels ist ein Förderer, der sich mit der gleichen Geschwindigkeit wie der Wind bewegt, der auf das Auto trifft. Dies ist für die Ingenieure, die die aerodynamischen Bodeneffekte messen, von entscheidender Bedeutung. Davon ausgehend werden Möglichkeiten zur Verbesserung des Abtriebs gesucht.

 

Ein System von Drehzapfen und Buchsen kann das Auto drehen, um das Fahren durch Querwinde zu simulieren.

 

Die Luft, die durch den Tunnel strömt, wird präzise gesteuert, nicht nur in puncto Geschwindigkeit und Richtung, sondern auch im Hinblick auf Luftfeuchtigkeit und Temperatur, die innerhalb von 0,5 Grad Celsius festgelegt ist. 

Der Windkanal ist eine dominante Eigenschaft in Maranello 

Übrigens wurde der Tunnel nicht nur für Autos eingesetzt. Die italienischen Olympia- und Paralympics-Teams haben die Aerodynamik ihrer Ausrüstung und die Art und Weise, wie sie sich darauf positionieren, getestet.

 

Der Windkanal befindet sich direkt am Eingang der Fabrik an der Via Grizzaga. Er prägt sich nicht nur als Form, sondern auch als lebendiges, funktionierendes Zeugnis für das Engagement von Ferrari in Sachen technisches Know-how und funktionaler Schönheit in das Gedächtnis ein.

 

Als stumme Wache am Tor gibt Ihnen die Galleria del Vento, ebenso wie die Logos des Cavallino Rampante unmissverständlich zu verstehen, dass Sie bei Ferrari angekommen sind. 



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