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Living
30/09/2016

Rendez-vous wird 40

Ein 275 GTB Soundtrack zur Feier des französischen Kurzfilm-Klassikers

Auto-Fans lieben es, über Verfolgungsjagden zu sprechen. Die Pionierarbeit von Hollywood-Legende John Frankenheimer muss man einfach lieben. Er platzierte Kameras an schier undenkbaren Stellen, als die Go-Pro noch mehr als Zukunftsmusik war. (Siehe Brennpunkt Brooklyn und den Actionthriller Ronin - Jahrzehnte später - als Beweis.)

 

Ich werde die schamlose Grausamkeit und Choreographie von The Italian Job - Jagd auf Millionen immer lieben. In letzter Zeit hat sich Paul Greengrass bei der Organisation von mechanischem Chaos über vier Kontinente in der Bourne-Serie als Experte erwiesen. 

Der Regisseur des Films, Claude Lelouch  Photo: Getty Images 

Aber die coolste, jemals auf Zelluloid gebannte Auto-Verfolgungsjagd fällt streng genommen gar nicht in diese Kategorie. C’était un Rendez-vous. Da gibt es einen großen Unterschied. Als Werk des französischen Regisseurs Claude Lelouch (Ein Mann und eine Frau, Lebe das Leben) ist Rendez-vous ein Film, der zwar vom ewigen Nachhall des Internets profitiert, aber auch etwas an seinem Mythos eingebüßt hat, weil er jetzt jederzeit, überall angesehen werden kann.

 

In den 1980er und 1990er Jahren musste man das Glück haben, den Film auf einer (mitunter krachenden) VHS-Kassette in die Finger zu bekommen. Manchmal stand er auch in Late-Night-Kinos auf dem Programm, die sich auf kulthafte, schräge und manchmal sogar verbotene Filme (Uhrwerk Orange, italienische Giallo-Thriller) spezialisiert hatten.

 

OK, also es passiert nicht wirklich viel. Aber es passiert brillant und äußerst stilvoll. Alles, was wir sehen, ist Paris aus der Perspektive des Fahrers, der sein Auto durch die glorreichen Straßenlandschaften der Stadt Mitte der 1970er Jahre manövriert und auf dem Weg zu einem Treffen mit seiner Geliebten außerhalb von Sacré Coeur an Arc de Triomphe, Place de la Concorde, Louvre und den Champs-Elysées vorbei rast.

Ein Moment des Films, vom Fahrer Sicht genommen 

Im Laufe der Jahre entstanden verschiedene Mythen zu Rendez-vous, zu denen Lelouch passiv ermutigte, indem er sie schlicht und einfach nicht dementierte. Wurde er nur gedreht, weil der Regisseur 300 Meter eines 35mm-Films übrig hatte und er es nicht ertragen konnte, ihn nicht zu benutzen? Möglich.

 

Ein paar Fakten sind jedoch aufgetaucht. Der Regisseur besaß einen Mercedes 450 SEL 6.9, dessen Federung wie gemacht für Filmaufnahmen war. Eine kreiselstabilisierte Kamera wurde an der vorderen Stoßstange angebracht. Sein Motor könnte riesig gewesen sein, aber der Mercedes klang nicht eindrücklich genug, sodass Lelouch mit einem Ferrari 275 GTB nachvertonte (ein guter Schachzug).  

Ausschnitt aus dem Original-Filmplakat 

Jahrelang glaubten die Zuschauer, der Fahrer wäre ein professioneller Rennfahrer, der mit dem Regisseur befreundet war; jetzt scheint es, dass Lelouch selbst am Steuer saß. Es gab nur einen Assistenten, der bei seiner Aufgabe, den Fahrer vor möglichen Hindernissen zu warnen, durch ein kaputtes Walkie-Talkie behindert wurde. Und die Dame, die er am Ende trifft, war Lelouchs damalige Freundin.

 

Rendez-vous ist ein brillanter, unverantwortlicher, unglaublich atmosphärischer, 8 Minuten und 30 Sekunden langer Kinofilm. Vierzig Jahre später ist seine Wirkung stärker als je zuvor. Das liegt daran, dass er garantiert kein zweites Mal gedreht werden könnte (nicht zuletzt deshalb, weil keine Hauptstadt im Jahr 2016 um 5.30 Uhr so ruhig ist).