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Living
08/08/2016

Außer Atem

Ein Tribut an den großen Nouvelle Vague-Darsteller und Ferrari-Kenner Jean-Paul Belmondo

Jean-Paul Belmondo war schon immer ein Mann mit einwandfreiem Geschmack. Bis auf ein paar Flops in den 1970er Jahren erschien der französische Schauspieler in einigen der größten Filme des europäischen Kinos der Nachkriegszeit und verpasste dabei der Figur des harten Kerls aus Hollywood eine deutlich gallische Note: halb Straßenganove, halb verschrobener existentieller Held.

 

Zusammen mit seinem engen Freund und gelegentlichen Co-Star Alain Delon war Belmondo eine neue Art von Anführer für ein neues Zeitalter. Die beiden teilten auch die Liebe für schnelle Autos (die Belmondo später an seinen Sohn Paul weitergeben sollte, der in den 1990er Jahren in der Formel eins für March und das Pacific Racing Team fuhr) und beide pflegten eine besondere Liebe zu Ferrari.

Ferrari war oft das Auto der Wahl in der Nouvelle Vague. Ähnlich wie die Schauspieler und Filmemacher, die sie fuhren, standen die Modelle aus Maranello für Freiheit, ein Gefühl von Abenteuer und jugendliche Energie.

 

Regisseur Roger Vadim besaß einen 1959 250 GT California Spider (eines von nur 47 gebauten Exemplaren), während seine Ex-Frau Brigitte Bardot die Straßen von Saint-Tropez in ihrem eigenen knallroten 1958 250 GT LWB California Spider unsicher machte.

Ursula Andress erinnerte sich einst daran, wie sie zu Beginn ihrer siebenjährigen Beziehung zu Belmondo immer den Klang des Ferrari 250 GT SWB des Franzosen hörte, wenn er durch die Berge zu ihrem Haus in Bern fuhr.

 

Im nächsten Monat wird der Schauspieler bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig mit dem Goldenen Löwen für sein Lebenswerk ausgezeichnet.  Der 83-Jährige wurde in einer offiziellen Erklärung für seinen unwiderstehlichen Charme und seine außergewöhnliche Vielseitigkeit gelobt; Tugenden, die man ebenso seinen geliebten Ferraris zusprechen könnte.

Jean-Paul Belmondo, wir verneigen uns vor dir: einem Mann, der immer für Glanz auf dem Bildschirm gesorgt hat, ob als hartgesottener Anti-Held,  als junger Priester in Bedrängnis, als Dandy in typischen Klamotten oder als draufgängerischer Juwelendieb (die neunminütige Verfolgungsjagd in „Der Coup“ aus 1971 ist wirklich irre).