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Der 16. Konstrukteurstitel

Der 16. Konstrukteurstitel

Obwohl Massa der Fahrertitel entrissen wird, als er bereits die Ziellinie überquert hat, sorgen die Fahrer der Scuderia aus Maranello mit Teamarbeit dafür, dass Ferrari den 16. Konstrukteurstitel erobert

Die Formel 1 bekommt in der Saison 2008 wieder das sehnsüchtig erwartete Duell Ferrari-Mercedes zu sehen. Alle erwarten eine Neuauflage des Kampfes zwischen Räikkönen und Hamilton, der Fernando Alonso dazu zwingt, von McLaren zu Renault zurückzukehren. Ferrari hingegen bestätigt Felipe Massa an der Seite des finnischen Weltmeisters.

Hamilton und Räikkönen teilen sich die Siege in Australien und Malaysia untereinander auf, während der Beginn der Meisterschaft für Massa zu vergessen ist. Er bleibt ohne Punkte. Der Brasilianer schlägt in Bahrain und in der Türkei wieder zu, während in Spanien Räikkönen siegt. Die Ferrari-Fahrer liegen nach fünf Rennen auf den ersten beiden Plätzen des Klassements, aber Hamilton triumphiert in Monaco, während in Kanada ein verrücktes Rennen mit dem Briten von McLaren über die Bühne geht. Er übersieht die rote Ampel an der Boxenausfahrt, fährt auf den Ferrari von Kimi auf und wirft sich und ihn aus dem Rennen. Es gewinnt Robert Kubica mit BMW Sauber, der sich sogar an die Spitze der Weltmeisterschaft katapultiert.

Felipe Massa auf dem Weg zum Sieg beim Grand Prix von Frankreich 2008 in Magny-Cours <em>Foto: Getty Images</em>
Felipe Massa auf dem Weg zum Sieg beim Grand Prix von Frankreich 2008 in Magny-Cours Foto: Getty Images

Massa triumphiert in Frankreich, während Hamilton sein Heimrennen in Silverstone klarmacht: Das Ranking ist so dicht gedrängt wie nie. Der Brite, Massa und Räikkönen führen mit 48 Punkten, Kubica liegt bei 46. McLaren gewinnt in Deutschland, während Felipe in Ungarn auf Erfolgskurs zu sein scheint, nachdem er Hamilton sensationell überholt hat. Drei Runden vor Schluss dann das Pech: Motorschaden. Nutznießer ist Kovalainen, er holt den einzigen Sieg seiner Karriere. Der Brasilianer ist in Valencia, beim Großen Preis von Europa, und in Belgien am Ende eines langen Duells mit Hamilton wieder erfolgreich.

In Monza geht das zweite verrückte Rennen der Saison über die Bühne. Der junge Deutsche Sebastian Vettel erobert am Samstag eine überraschende Pole Position hinter dem Steuer des Toro Rosso mit Ferrari-Motor. Alle vermuten einen Glückstreffer aufgrund des Regens, aber im Rennen - ebenfalls auf nasser Strecke - zeigt sich, dass Sebastian ein echtes Talent ist: Zum ersten und bisher einzigen Mal erobert ein Nicht-Ferrari-Rennwagen mit einem Motor aus Maranello den Sieg. Ereignislose Rennen für Massa und Hamilton, nunmehr dazu bestimmt, die Weltmeisterschaft unter sich auszumachen. Der Brasilianer liegt einen Punkt vor dem Briten.

In Singapur das zweite negative Schlüsselereignis der Saison für Felipe. Der Brasilianer fährt an die Box und nutzt die Safety Car-Phase, die vom - wie sich später herausstellt - absichtlich verursachten Unfall von Nelson Piquet jr. ausgelöst wurde, startet aber bereits los, als der Einfüllstutzen noch an seinem F2008 steckt. Für den zuvor in Führung liegenden Brasilianer ist es das Ende des Rennens. Vor dem letzten Rennen in Interlagos hat Felipe sieben Punkte weniger als Hamilton. Denselben Rückstand hatte der Brite ein Jahr zuvor gegenüber Räikkönen aufgeholt, aber es erschien unwahrscheinlich, dass das Wunder ein zweites Mal in Folge geschehen würde. Weniger besorgniserregend sieht es in der Konstrukteurswertung aus, wo Ferrari 11 Punkte vor McLaren liegt.

Kimi Räikkönen nach seinem Sieg beim Großen Preis von Spanien 2008, der ihn an die Spitze der Meisterschaft brachte <em>Foto: Getty Images</em>
Kimi Räikkönen nach seinem Sieg beim Großen Preis von Spanien 2008, der ihn an die Spitze der Meisterschaft brachte Foto: Getty Images

Beim Start auf einer nassen Strecke, die langsam auftrocknet, übernimmt Massa die Führung. Hinter ihm erlebt Hamilton hingegen einen schwierigeren Nachmittag: Er kommt bei einem Überholversuch von der Strecke ab und fällt auf den siebten Platz zurück. Wenn Felipe gewinnt, braucht Lewis einen fünften Platz. Der Brite erreicht in der 43. Runde den Platz, den er benötigt, und alle Mühen von Massa scheinen vergebens. Gegen Ende fängt es jedoch wieder zu regnen an und die Karten werden neu gemischt. Alle Wagen bleiben stehen, außer die beiden Toyotas, die versuchen, mit Trockenreifen auf der Strecke zu bleiben.

Drei Runden vor Schluss liegt Massa in Führung, während Hamilton nur Sechster ist. Felipe passiert die Zielflagge unter dem Jubel der brasilianischen Menge: Zu diesem Zeitpunkt ist er Weltmeister. Aber Hamilton hat nicht aufgegeben, und es gelingt ihm dank dem stärker werdenden Regen, den Toyota von Timo Glock in der letzten Kurve der letzten Runde zu überholen. So gewinnt er den Titel um einen Punkt. Felipe ist in Tränen aufgelöst, schlägt sich mit der Faust auf die Brust, aber sein Weinen geht im strömenden Regen unter. Er hat verloren, aber nicht für sein Brasilien, das ihn mit Standing Ovations wie einst beim legendären Ayrton Senna ehrt. Ferrari tröstet sich mit dem sechzehnten Konstrukteurstitel seiner Geschichte.

 

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