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Schumachers erster Sieg mit Ferrari

Schumachers erster Sieg mit Ferrari

Trotz Motorenproblemen sichert sich Schumacher beim Großen Preis von Spanien 1996 den ersten Sieg mit der Scuderia Ferrari

Es ist der 19. Mai 1996. Auf der Rennstrecke von Monte Carlo wird der Große Preis von Monaco ausgetragen. In der Pole Position steht der Ferrari F310 von Michael Schumacher, der auf dieser in ihrer Art einzigartigen Rennstrecke wieder einmal all seine Fähigkeiten gezeigt hat. Es regnet leicht im Fürstentum Monaco, wodurch das Vertrauen der Fans noch weiter ansteigt, da der Deutsche seit jeher einer der schnellsten Fahrer auf nasser Fahrbahn ist. Und dann geschieht, was niemand erwartete: Michael startet schlecht, verliert den ersten Platz, und während er den Williams von David Coulthard verfolgt, nimmt er einen nassen Randstein in der Portier-Kurve zu eng und endet an der Leitplanke. „Ich habe einen schweren Fehler begangen“, sagt er später, „und eine hervorragende Gelegenheit verpasst. Ich danke dem Team für seine Arbeit. Und ich stehe in der Schuld der Ferrari-Fans.“

Michael Schumacher überholt Jacques Villeneuve auf einem Williams-Renault FW18 beim Großen Preis von Spanien 1996 <em>Foto: Getty Images</em>
Michael Schumacher überholt Jacques Villeneuve auf einem Williams-Renault FW18 beim Großen Preis von Spanien 1996 Foto: Getty Images

Die Gelegenheit, seine Schuld zu begleichen, bietet sich ihm zwei Wochen später in Spanien. Im Qualifying, auf trockener Fahrbahn, zeigen sich die Williams führend, die diese Saison dominieren. Damon Hill erlangt die Pole Position mit mehr als vier Zehntelsekunden Abstand vor Jacques Villeneuve und fast einer Sekunde vor Schumacher. Aber am Renntag gießt es in Strömen. Es scheint, als müsse der Start hinter dem Pace Car erfolgen, aber im letzten Moment entscheidet der Rennleiter, dass normal gestartet werden kann.

Am Start bewegen sich die Autos langsam, so viel Wasser steht auf dem katalanischen Asphalt, und einer der Schlechtesten ist sicherlich Schumacher, der in siebter Position in die erste Kurve fährt, hinter seinem Teamkollegen Eddie Irvine. Die Entscheidung des Rennleiters erweist sich als unglücklich, allein in der ersten Runde sind fünf Ausfälle zu verzeichnen. Dazu kommt im zweiten Durchgang auch Irvine, der sich auf der Fahrbahn dreht und den Motor ausgehen lässt.

Michael Schumacher führt den Großen Preis von Spanien 1996 bei starkem Regen an <em>Foto: Getty Images</em>
Michael Schumacher führt den Großen Preis von Spanien 1996 bei starkem Regen an Foto: Getty Images

In der 3. Runde kämpft Schumacher schon mit dem Benetton von Gerhard Berger um den vierten Platz, bald darauf um den dritten, denn in der Zwischenzeit hat sich auch der führende Hill auf der Fahrbahn gedreht. Das passiert ihm ein weiteres Mal, bevor er sein Rennen an der Boxenmauer beendet. An der Spitze ist jetzt also Villeneuve, vor dem anderen Benetton von Jean Alesi. An dritter Stelle fährt Schumacher, der in der vierten Runde Berger überholt hat und jetzt in vollem Tempo den Franzosen verfolgt.

Jean ist ein Zauberer bei Regen, aber Michael hat seinen besonderen Tag: Im Nu hängt er am Benetton, und im neunten Durchgang ist er Zweiter. Auch Villeneuves Runden an der Spitze scheinen gezählt. Drei kann er noch fahren, bevor die Führung an den Ferrari mit der Nummer eins geht, der im 13. Durchgang vier Sekunden schneller ist als der Kanadier. Michael ist der absolute Herr des Rennens: Mit immer schnelleren Rundenzeiten erhöht sich sein Vorsprung vor allen. In der 14. Runde erzielt er mit 1’45”571 die schnellste Rundenzeit des Rennens. Der Schnellste unter den anderen Fahrern, Rubens Barrichello mit seinem Jordan, ist 2,2 Sekunden langsamer.

Michael Schumacher beim Großen Preis von Monaco 1996 in Monte Carlo <em>Foto: Getty Images</em>
Michael Schumacher beim Großen Preis von Monaco 1996 in Monte Carlo Foto: Getty Images

Von außen scheint es, als ginge alles glatt. In Wirklichkeit verdeckt Schumachers unglaubliche Geschwindigkeit die Schwierigkeiten seines Motors, dem 046 V10, eine Aufteilung, die die FIA allen Konstrukteuren aufgezwungen hat. In der 18. Runde führt eingedrungenes Wasser dazu, dass einer oder zwei Zylinder ausfallen, so dass erfahrene Ohren beginnen, einen Bruch zu befürchten.

In der 24. Runde läuft der Motor wieder rund, aber sieben Runden später ist der Sound erneut besorgniserregend. Der Vorsprung von Michael auf den ersten Verfolger, Alesi, geht von einer Minute auf 45 Sekunden zurück, aber der Tag ist dazu bestimmt, ein glückliches Ende zu nehmen. Der F310 fährt als erster über die Ziellinie und Schumacher verzeichnet seinen ersten Sieg mit der Scuderia: Der Anfang einer Serie, die erst zehn Jahre und 71 Siege später, beim Großen Preis von China 2006 unterbrochen werden soll.

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