Leidenschaft

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Matera in Bewegung

Seit etwa 10.000 Jahren besiedelt, hat sich die süditalienische Stadt in den letzten Jahren deutlich gewandelt. Dank ihrer Schönheit fungierte sie als Drehort für verschiedene Filme, unter anderem auch für das neueste Abenteuer von James Bond. Darüber hinaus eignet sich die Umgebung hervorragend für uneingeschränkten Fahrspaß – geradezu perfekt für einen GTC4Lusso
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Michele Weiss

Wenn man an das letzte Jahrhundert denkt, grenzt es an ein Wunder, dass Matera in der süditalienischen Region Basilikata eine der diesjährigen europäischen Kulturhauptstädte (neben Plowdiw in Bulgarien) ist. Noch in den 1950er Jahren war die Stadt – die auf einer der ältesten menschlichen Siedlungen der Welt errichtet wurde – ein Symbol für die Rückständigkeit Italiens, einem Land, das nach dem 2. Weltkrieg in Trümmern lag.

Mit einem reichen architektonischen und kulturellen Erbe ist Matera vor allem für die jahrhundertealten Sassi – zwei Höhlensiedlungen, die in den kalkhaltigen Stein geschlagen wurden – bekannt. Diese gehören seit 1993 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Viele Besucher werden die Sassi als den Ort wiedererkennen, wo Teile von Mel Gibsons Film Die Passion Christi gedreht wurden.

Die Stadt ist in mehreren Ebenen aufgebaut. Von den Sassi geht es hinauf in Richtung Piano – die Altstadt – welche die spektakulärsten historischen Palazzi, Symbole für das Matera der Renaissance und des 17. und 18. Jahrhunderts, beherbergt. Unter anderem den Palazzo del Sedile (1540) an der prächtigen gleichnamigen Piazza, das einzige öffentliche Gebäude der ganzen Stadt mit weltlichem Ursprung. Es befindet sich im Herzen des Salottino, einer Art Freiluftwohnzimmer, wo sich die Bewohner in den zahlreichen Cafés auf ein Getränk treffen. Es ist der geschäftigste und eleganteste Teil der Stadt.

Matera steckt voller Kontraste: Nur wenige Schritte von den eleganten Palazzi entfernt, lebten die armen Leute einst in den Höhlen. Ein Beispiel ist die Casa Grotta aus den 1950er Jahren: Die einzige Wohneinheit, in der eine Bauernfamilie zwischen Werkzeugen, Schlafräumen und einem Eselstall lebte.

Nachdem sie jahrelang sich selbst überlassen war, hat die Sanierung – die 1986 begann – die Stadt in einen pulsierenden internationalen Touristenmagnet mit einem antiken „Herz“ verwandelt, das nach einem modernen und verführerischen Rhythmus schlägt. Nirgends ist das offensichtlicher als in den Sassi selbst. Nachdem sie in den 1950er größtenteils verlassen wurden, geht man heute in diesem Viertel von etwa 2.000 Bewohnern aus. 

Materas historischer Sassi wird im nächsten James Bond-Abenteuer im Frühjahr 2020 zu sehen sein <em>Foto: Mattia Balsamini</em>
Materas historischer Sassi wird im nächsten James Bond-Abenteuer im Frühjahr 2020 zu sehen sein Foto: Mattia Balsamini

Viele sind Jungunternehmer, die alte Höhlenwohnungen in Ateliers, Kunstgalerien, Hotels, Boutique B&Bs, Restaurants und Bars umgebaut und so das Herz der Altstadt in ein Freiluftmuseum verwandelt haben. In der Nacht erinnert die Atmosphäre an die Movida in Madrid und macht die Sassi somit besonders beliebt bei Touristen und jungen Einheimischen, die in Scharen zurückgekehrt sind, um an diesem einzigartigen Ort zu leben.

Abgesehen von seiner architektonischen Vielfalt und Schönheit ist Matera auch für seine vielen traditionellen Künste und Handwerke bekannt. Zwei Beispiele sind die Herstellung von traditionellen Holzschachbrettern und von timbri (Stempel), die einst von den einheimischen Familien dazu verwendet wurden, den Brotteig zu kennzeichnen, den sie zum Backen zu den Gemeinschaftsöfen brachten. Und natürlich gibt es viel köstliches Essen, vom traditionellen Matera-Brot bis hin zu Gerichten wie cialledda einem einfachen Gericht aus eingeweichtem Brot, Tomaten, Salz, Öl und Oregano – und crapiata, einer Suppe aus Bohnen, Buchweizen, Graupen, Kichererbsen und Linsen. Zu genießen mit einem Glas der hervorragenden lokalen Primitivo di Matera Weine.

Wo immer Sie auch hingehen, treffen Sie auf die Werkstätten neuer Handwerker, die entschlossen sind, die uralten Traditionen der Region zu erforschen und neu aufleben zu lassen. Aus dem Manifesto di Matera 2019 („Matera Manifest 2019“) geht der Wille, sicherzustellen, dass die Stadt lebendig und offen für die Zukunft bleibt, klar hervor: Die Besucher bekommen einen „Pass 2019“ für ein „temporäres Bürgerrecht“. Diejenigen, die den Pass bekommen, verpflichten sich dazu, einen Gegenstand zu hinterlassen, der ihre Vorstellung von Kultur repräsentiert.

Die gesammelten Gegenstände sollen später die Basis von „Open Future“ bilden, einer Ausstellung, die die Leidenschaften und Lebensstile von Liebhabern globaler Kultur zur Schau stellt.

So veranstaltet Matera das ganze Jahr über eine Vielzahl von Events, Konzerten und Ausstellungen – darunter zu Anthropozän und Escher – für die unzähligen Besucher, die in die alten und faszinierenden Viertel der Stadt strömen. Angesichts des reichhaltigen Kalenders an kulturellen Veranstaltungen und der natürlichen – und von Menschenhand gemachten – Schönheit ist der richtige Zeitpunkt für einen Besuch in Matera genau jetzt. Lassen Sie sich die Gelegenheit nicht entgehen.

Ferrari