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Der GTC4Lusso bewältigt problemlos die vereisten Straßen, die nach Courmayeur im italienischen Aosta-Tal führen <em>Foto: Lennen Descamps</em>

Luxus fürs ganze Jahr

Die verschneiten Straßen und spiegelglatten Haarnadelkurven des Mont Blanc boten die perfekten Testbedingungen für die fortschrittlichen Systeme, die den GTC4Lusso unterstützen
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Richard Bremner

Die allerbesten Grand Touring-Wagen sollten Ihnen erlauben, die ganze Bandbreite von Herausforderungen zu bestehen, die eine Langstreckenfahrt oft für Sie bereit hält. Beispielsweise Schnee. Da helfen Winterreifen – auf den Ferrari GTC4Lusso, den ich heute fahre, wird ein Set Michelin Pilot Alpins aufgezogen – sowie der Allradantrieb, ausgestattet mit dem vorausschauenden 4RM EVO-System aus Maranello.

Die Vorderräder werden von der Power Transfer Unit (PTU) angetrieben, die ein Abrutschen der Hinterräder verhindert und zwei Übersetzungen anbietet, die von dem für das Hinterachsgetriebe ausgewählten Getriebe abhängen. Der erste Gang der PTU greift mit dem ersten und zweiten der F1 DCT-Übertragung und ihr zweiter Gang mit dem dritten und vierten. Das funktioniert bis zu fast 90 mph, der Höchstgeschwindigkeit des vierten Gangs. Die Gangwahl wird durch die beachtliche Rechenleistung des Antriebsstrangs gesteuert, der eine herausragende Traktion bei wirklich jedem Wetter bietet.

Weitenmonitore und Blind-Spot-Detektoren führen den GTC4Lusso durch enge Stellen <em>Foto: Lennen Descamps</em>
Weitenmonitore und Blind-Spot-Detektoren führen den GTC4Lusso durch enge Stellen Foto: Lennen Descamps

Die PTU, und deshalb auch die Vorderachse, kann bis zu einem Fünftel der V12-Motorleistung aufnehmen. Falls die Umstände es erfordern, sind 90 Prozent davon auf das Außenrad des Vorderantriebs gerichtet, was dem GTC4Lusso die Bodenhaftung und Beweglichkeit eines Schneeleoparden verleiht. Der Mont-Blanc-Test findet außerhalb von Courmayeur statt und beinhaltet verschiedene klimatische Herausforderungen für diesen Viersitzer. Als wir das Aostatal erklimmen, beginnt die Außentemperaturanzeige abzustürzen. Ich halte an, um einen halbgefrorenen Wasserfall zu bewundern, und merke dann, dass ich 690 PS in einer schneebedeckten Senke geparkt habe.

Und ich bemerke nun auch, dass es hier oben reichlich einsam ist. Doch in diesem Fall ist das überhaupt keine Herausforderung. Der Ferrari fährt, als sei er auf trockenem Asphalt. Bei der kurvenreichen Abfahrt und auf der Autobahn nach Courmayeur beweisen die vielen genialen Unterstützungssysteme des GTC4Lusso ihre Nützlichkeit, wie die PTU, die Hinterachslenkung und die Carbon-Keramik-Bremsen.

Das Advanced Driver Assistance System (ADAS) ist mit Informationen und Sicherheitsfunktionen ausgestattet <em>Foto: Lennen Descamps</em>
Das Advanced Driver Assistance System (ADAS) ist mit Informationen und Sicherheitsfunktionen ausgestattet Foto: Lennen Descamps

Adaptive Cruise Control (ACC) ist Standard und damit fährt der Wagen mit der von Ihnen gewünschten Geschwindigkeit, bis er auf etwas trifft, das langsamer fährt, und seine Geschwindigkeit anpasst  einschließlich null, wie ich feststellen konnte, als ich hinter einem anderen Wagen durch eine Mautstation fuhr. In Verkehrsstaus bewegt er sich automatisch langsam vorwärts, wenn er weniger als zwei Sekunden anhält. Die autonome Notbremsung (Autonomous Emergency Braking) wird zuvor mit einem akustischen Warnsignal angekündigt.

Die Ingenieure von Maranello nutzten den Windkanal, um die Verkleidung des vergitterten Vorderradars neu zu gestalten, damit das Kühlungssystem des Wagens nicht beeinträchtigt, die Aerodynamik nicht gestört und der Radar nicht verschmutzt wird. Die optionalen Rundumsicht-Kameras neben den Türspiegeln erzeugen kein Windgeräusch in diesem Wagen, der es auf 210 mph bringt. Bei 150 mph war mit Sicherheit keine Spur davon zu bemerken.

Die PTU überträgt das Drehmoment nach vorne und zieht das Auto gerade, wodurch es im Schnee wesentlich effektiver wird <em>Foto: Lennen Descamps</em>
Die PTU überträgt das Drehmoment nach vorne und zieht das Auto gerade, wodurch es im Schnee wesentlich effektiver wird Foto: Lennen Descamps

Der Spurhalteassistent des Wagens ist ausschließlich akustisch, beeinträchtigt die Steuerung nicht, kann ausgeschaltet werden und besitzt zwei Sensibilitätslevels. Das bedeutet, dass das Auto engere Straßen ohne die akustische Warnung bewältigen kann, aber dennoch Alarm gegeben wird. Eine visuelle Warnung im Türspiegel signalisiert, wenn sich ein Fahrzeug in Ihrem toten Winkel befindet. Zur Verfügung steht auch die Option eines Verkehrszeichen-Erkennungssystems, außerdem eine Einparkkamera und ein Querverkehr-Warnsystem. Der GTC4Lusso hatte seine Schnelligkeit im „Eismodus“ bereits bewiesen, doch besonders beeindruckend war seine Effektivität bei verringerten elektronischen Eingriffen.

Wenn Sie durch die Settings gehen – „nass“, „Komfort“, „Sport“, „Spur“ – wird das Heck weiter, was spektakulär und lustig ist, wenn auch nicht schnell. Dem Rutschen kann mit dem Rad, aber auch durch Beschleunigung gegengesteuert werden, die PTU sendet das Drehmoment nach vorne, um den Wagen gerade zu ziehen. Das macht diesen Wagen extrem leistungsfähig im Schnee und bedeutet, dass er für die unterschiedlichsten Wetterlagen gewappnet ist. Deshalb nutzen ihn viele Besitzer das ganze Jahr über, zur Überquerung von Gebirgsmassiven, zur Fahrt ins Ski-Resort oder ganz einfach für den Weg zur Arbeit. Der komplette GT.

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