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Tribut Zollen

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Die Insiderstory des F8 Tributo – eine Hommage an den V8 Twin-Turbomotor, der den „Best of the Best“-Engine-Award gewonnen hat
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Chris Rees

„Auch gemessen am V8 ist der Motor unseres „Sonderserien“-Autos 488 Pista atemberaubend“, meint Projektleiter Emmanuele Raveglia. Als er zum ersten Mal einen 488 Pista fuhr, dachte er sofort:  „Warum bauen wir diesen Motor nicht wie den 488 in eine Berlinetta?“ Die Idee zum F8 Tributo war geboren. Allerdings war das Projekt, wie er betont, eine echte Ferrari-Teamarbeit, geleitet von: Carlo Palazzani (Design), Marzio Maresi (Motor und Getriebe), Ivan Moranzoni (äußere Verarbeitungen), Salvatore de Angelis (innere Verarbeitungen) und Fabrizio Fontana (Fahrzeug-Prüfingenieur).

Marzio Maresi – zuständig für den Motor – sagt: „Um die neuen Abgas- und Lärmvorschriften zu erfüllen, mussten wir den Auspuff ändern. Das bedeutete, dass wir diverse Teile des Motors ändern und den Motor, das Fahrverhalten und den Sound neu überdenken mussten.“ Die einzigen sichtbaren geänderten Teile sind der neue Ansaugkrümmer aus Aluminium und der Auspuff. Der Maschinenbauingenieur Fontana fügt hinzu: „Wir mussten mit dem neuen Auspuff den richtigen Sound erreichen. Wir haben sechs Monate lang als Team zusammengearbeitet, um den bestmöglichen Sound zu bekommen – sowohl in als auch außerhalb der Fahrerkabine.“

Palazzani – zuständig für das Design – erklärt: „Die Anzahl der Veränderungen ist sehr hoch verglichen mit unseren üblichen Weiterentwicklungen. Die gesamte Karosserie, abgesehen von den Türen und den hinteren Flanken, ist neu. Und das Design kommt nicht nur aus der Styling-Abteilung. Ferrari ist in dieser Hinsicht kein normales Unternehmen: Jedes Teammitglied bringt sich ein.” „Styling“, meint Raveglia mit Nachdruck, „ist genauso Teil der Leistung eines Autos wie die Motorstärke.“ Sein Job ist es, die drei Schlüsselelemente – Leistung, Zeit und Kosten – miteinander zu vereinen. „Bei jedem Ferrari gilt: Design ist Leistung.”

Das F8 Tributo wurde auf dem Genfer Autosalon vorgestellt <em>Foto: Roberto Carrer</em>
Das F8 Tributo wurde auf dem Genfer Autosalon vorgestellt Foto: Roberto Carrer

Moranzoni – zuständig für äußere Verarbeitungen – weist auf die Scheinwerfer hin: „Carlo fragte nach den kleinstmöglichen Scheinwerfern. Wir haben uns daraufhin für neue LED-Technologie entschieden, um über den Lampen Platz für eine kühlende Luftansaughutze zu haben.” Die Doppelrücklichter gehen auf die klassischen Modelle der Vergangenheit zurück. Der „schwebende“ Heckspoiler ist eigentlich fest angebracht, doch der Abtrieb ist trotzdem gleich oder besser als der anderer Rennwagen. Der S-Schacht vorne trägt dazu bei, den aerodynamischen Abtrieb um 10 Prozent gegenüber dem 488 GTB zu verbessern.

Moranzoni geht zur anderen Seite des Autos, um die transparente Lexan-Motorhaube zu zeigen. Ausgeschnittene Luftschlitze erinnern an den Ferrari F40. „Das war eine große Herausforderung“, meint er, „weil es das erste Mal ist, dass ein Auto über eine einteilige transparente Motorhaube verfügt.” Die Luftschlitze sind ein Sinnbild für den Gemeinschaftscharakter des Projekts. „Wir mussten zusammen an Leistung, Präsenz, Homologation und Steifigkeit arbeiten”, sagt Maresi. „Die Luftschlitze sind funktionell; sie helfen beim Ausleiten von Luft aus dem Motorraum.“

Die Lexan-Motorhaube – Blick auf die erste einteilige, transparente Motorhaube <em>Photo: Roberto Carrer</em>
Die Lexan-Motorhaube – Blick auf die erste einteilige, transparente Motorhaube Photo: Roberto Carrer

Der Fahrzeuginnenraum ist das Reich von Salvatore de Angelis, der mit 42 Jahren Arbeitserfahrung im Automobilsektor das erfahrenste Teammitglied ist. Das gesamte Armaturenbrett, die Türverkleidung und der Tunnel wurden neu gestaltet. Hinzugefügt wurden Lüftungsöffnungen der neuesten Generation, ein umgeformtes Lenkrad, neue Sitzbezüge und ein 8,5-Zoll-Touchscreen. „Es ist eine Herausforderung für mich, dass ich beim Entwicklungsprozess der letzte in der Reihe bin”, sagt de Angelis, „es hängt so viel von meinen Teamkollegen ab. Es ist wichtig zu betonen, dass ich nicht alleine arbeite.”

LED-Technologie schafft Platz für die kühlende Luftansaughutze über den Scheinwerfern <em>Photo: Roberto Carrer</em>
LED-Technologie schafft Platz für die kühlende Luftansaughutze über den Scheinwerfern Photo: Roberto Carrer

Die Fahrgestelldynamik holt das Beste aus der Leistung des Motors heraus. Fontana erklärt: „Dieses Auto muss alltagstauglich und benutzerfreundlicher als der 488 Pista sein. Darum haben wir uns so sehr darauf konzentriert, dass die Puffer dazu beitragen, die Leistung voll auszunutzen. Und hinter jeder Einstellungsmöglichkeit des Manettino am Lenkrad steckt viel Denkarbeit.” Die neue Einstellung „Nass“ zum Beispiel schenkt ein Gefühl von Sicherheit im Auto, auch wenn es volle Leistung fährt. Am Ende fasst Raveglia kurz und bündig zusammen: „Mit dem F8 Tributo haben wir alle verstanden: Wir bewegen uns vom 488 ausgehend in Richtung Zukunft.”

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